Dem Firmenauto des Schweizer Importeurs wurde ziemlich viel zugemutet.

Geländefahren in Bülach
Der noch junge Puch G Swiss Club zeichnet sich unter anderem durch hervorragend organisierte und de tailliert geplante Veranstaltungen aus. Auch sind diese «Aktionstage» nicht unbedingt mit ähnlichen Meetings anderer Geländewagenclubs vergleichbar. Wie der Puch G eine Sonderstellung unter den 4WDs einnimmt, ist auch dem Puch G Club in vielen Aspekten eine Sonderstellung eigen. So lief beispielsweise die im September durchgeführte Veranstaltung unter dem Titel «Geländefahren», wich aber in einem wesentlichen Punkt von ähnlichen «Happenings» ab: Gefahren wurde zwar in härtestem Gelände – aber zunächst nicht mit dem eigenen Wagen, sondern mit eigens hergebrachten Firmenfahrzeugen des Importeurs!
Text und Bilder: Ruedi Baumann

Der geneigte Leser mag sich nun an den Kopf greifen, gilt doch der Puch G in Insiderkreisen als der beste existierende Geländevvagen überhaupt. Allerdings, und das mag wohl ausschlaggebend gewesen sein, ist er nicht gerade billig. Der Veranstalter hatte einem (in der Schweiz teilweise sehr ausgeprägten) Kundenverhalten Rechnung getragen: Viele Besitzer von Geländevvagen benutzen ihr Auto zu rund 98 Prozent auf der Strasse und haben kaum echte Offroad-Erfahrung. Man gab damit den Puch-G-Besitzern die Gelegenheit, die hervorragenden Fähigkeiten des Wagens ausloten zu können, ohne jedoch den eigenen Wagen in Unkenntnis der Materie zu beschädigen. Extremstrecken konnten unter Anleitung von ausgewiesenen Geländeprofis angegangen werden.


Weniger erfreut über diesen «Dreckmotor» waren wohl die Mechaniker in Steffisburg.

Das gibt's vvohl nur einmal im Puch G Club: Ein Puch G mit österreichischem Nummernschild «G Puch» – und Schweizer Militär-Motorfahrer-Emblem...!
Joseph Eichholzer, Präsident des Puch G Swiss Clubs (rechts) beobachtet mit leiser Sorge die Eskapaden einiger übermütig gevvordener Clubmitglieder.
Alle Schwierigkeitsgrade
Die Organisatoren hatten das Gelände «langer Zinken» (Panzerpiste Bülach) zuvor sehr gekonnt ausgesteckt und eine langsame Steigerung des Schwierigkeitsgrades erreicht. Der Puch G ist ohnehin das ideale Gefährt, seine zahlreichen Eigenschaften einem wechselnden Untergrund anzupassen und auszuspielen. Nebst einigen Teilnehmern, welche auf reichhaltige Safari-Erfahrung zurückblicken konnten, waren natürlich auch Geländeneulinge mit von der Partie. Diesen blieb mitunter vor lauter Staunen der Mund offen stehen, als sie hautnah miterleben konnten, was ihr «Hausmarken-Gefährt» irn Gelände tatsächlich fertigbrachte. Ein Grossteil der Clubmitglieder verzichtete in der Folge auf die Benutzung der Puch-Firrnenvvagen und wagte sich irn eigenen Puch G auf den Parcours. Der «Aha-Effekt» mit den Firmenwagen hatte also «gegriffen». Die Veranstaltung zeichnete sich – als wohltuende Ausnahme übrigens – durch eine hervorragende Disziplin aller Teilnehmer aus. Der bei solchen Veranstaltungen sonst regelmässig in den Nachrnittagsstunden einsetzende «Kindergarten» blieb aus. Dieser (von uns so benannte) «Kindergarten» mag ja sehr menschlich sein und stellt eigentlich eine Art «Ausbrechen» aus einern von Gesetzen und Verordnungen diktierten Fahrverhalten dar. Einer Anfangsphase der Angstüberwindung, des noch schüchtern Herantastens folgt das Entdecken des Machbaren. Man ist von den eigenen Fähigkeiten und denen des Fahrzeugs überrascht. Was dann meist folgt, sind Selbstüberschätzung, purer Übermut und Imponiergehabe. Fazit: Arbeit für den Autospengler.

Ein Werkfahrer führt den Clubmitgliedern «Grenzgebiete für einen Puch G» vor.
2. Teil: Festung Reuenthal
Am späteren Nachmittag erfolgte die Dislokation von Bülach nach Reuenthal AG, wo eine Führung durch das dortige Festungsmuseum (mit Nachtessen in der Festung) auf dem Programm stand. Das Artilleriewerk auf der Anhöhe des Rheinufers wurde 1937/38 erbaut und der Truppe im Jahre 1939 übergeben. Der Mannschaftsbestand der Festung betrug 1944 159 Mann. Mit den beiden 7,5-cm-Kanonen als Hauptbevvaffnung hatte die Festung im 2. Weltkrieg den Auftrag, einen allfälligen Rheinübergang von deutscher Seite her im verlandeten Bereich unterhalb des Stauwehrs Albbruck-Dogern zu verhindern. Nach dem Krieg verlor die Festung Reuenthal infolge der rasanten Entvvicklung der Militärtechnik schnell an Bedeutung. Als die Anlage 1988 völlig ausgedient hatte, ging sie ins Eigentum der Gemeinde Full/Reuenthal über, und der Verein Festungsrnuseum Reuenthal stellte in der Folge die Festung zur Führung eines Museumsbetriebes mit der ursprünglichen Bewaffnung und Ausrüstung wieder instand. In verschiedenen Räumen der Festung wurden zusätzliche Ausstellungen über Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee sowie ausländischer Streitkräfte aus der Zeit des zweiten Weltkrieges eingerichtet. Ein Raum beherbergt eine sorgfältig zusammengetragene Dokumentensammlung, welche in Schrift und Bild aufzeigt, wie «wurmstichig» die Schweiz während des 2. Weltkrieges war. Bei älteren Zeitgenossen ist die Erinnerung daran, wieviele «Heil-Hitier»-Schreihälse damals die Schweiz in ihren Grenzen beherbergte, meist etwas verblasst; den Folgegenerationen wurde es verschämt verschwiegen. Das Festungsmuseum ist von Anfang April bis Ende Oktober an Samstagnachmittagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Besuch lohnt sich.


Auch Zuschauen kann lustig sein – die langbeinige Schönheit rechts im Bild scheint die Sache jedenfalls zu geniessen.


«Seit wann gibt's das denn?» Nicht alle Clubmitglieder kannten das «4x4plus». Um so grösser war das Interesse.


Dislokation von Bülach nach Reuenthal. Mancher Passant blickte erstaunt auf die verdreckte Kolonne von Zivilfahrzeugen, weiche irgendwie militärisch wirkten.


Einführung in die Geschichte der Festung Reuenthal. Nach einem Dreivierteltag «Geländekunde» würdiger Abschluss der Veranstaltung mit einem zuvor nicht gekannten Kapitel «Schweiz im zweiten Weltkrieg».

aus «4x4plus», 3/1995

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