Vor 200 Jahren hat der Kaiser der Franzosen, Napoleon I., die alte Eidgenossenschaft beseitigt. Eher zufällig hat sich nun der «Puch G Swiss Club» anlässlich seiner Club-Reise aufgemacht, das erste Exil des ungestümen Korsen einmal genauer unter die Räder zu nehmen.
Text: Rolf Studer
Bilder: Patrick Bauer
Die Mittelmeerinsel Elbe ist vor allem als Badeparadies bekannt. Geschichtlich Interessierte bringen die Insel noch mit Napoleon in Verbindung. Aber dass die Insel auch etwas für Geländewagenfahrer sein könnte, ist vielen neu. Die «Entdeckung» von Elba verdanken wir unserem Mitglied Bruno Geser. Auf mehreren Reisen zu diesem Eiland hat er zahlreiche interessante Pisten entdeckt. Im letzten Frühling hat er zusammen mit Harald Köhler die Club-Reise an Ort und Stelle rekognosziert und vorbereitet. Letzterer zeichnete auch für die Organisation verantwortlich. Beiden und ihren Familien sei ihr grosser Einsatz und die vorzügliche Vorbereitung der Reise herzlich verdankt. Ohne ihren grossen persönlichen Einsatz liessen sich solche Club-Reisen nicht durchführen.

Die Anreise erfolgte individuell. Einige nahmen die kürzeste Strecke über Mailand und Parma, andere die über Genua. Ab dem Schweizer Mittelland beträgt die Reisestrecke bis Piombino ca. 750 km. Von dort verkehren regelmässige Fähren nach Elba. Die Kosten betragen für einen Puch G und eine Person ungefähr 36 Franken für eine einfache Überfahrt, die etwas mehr als eine Stunde dauert. Die Fähre verlässt der Reisende in Portoferraio – dem Hauptort der Insel mit mittelalterlichem Flair. Die Mitglieder des Puch-G-Swiss-Clubs hatten für ihre Unterkunft Lacona gewählt, eine im Süden der Insel, am gleichnamigen Golf gelegene Touristensiedlung. Die meisten bevorzugten den schönen Campingplatz direkt am Meer, die anderen ein gepflegtes Hotel – denn ein bisschen Komfort muss schliesslich sein! Obwohl es Nachsaison war, waren wir nicht die einzigen Schweizer. Aufgrund der dominierenden CH-Schilder wähnte man sich manchmal fast in einer schweizerischen Exklave.

Die meisten Touristen kommen wegen den schönen Stränden und den vorzüglichen Bademöglichkeiten nach Elba. Für die Mitglieder des Puch-G-Swiss-Clubs war das naturgemäss von zweitrangiger Bedeutung. Täglich machte sich ein kleinerer oder grösserer Konvoi auf, um den einen oder anderen Teil der Insel in ganztägigen Touren zu erkunden. Interessant ist die sehr bergige Landschaft, die geprägt ist von ausgedehnten Pinienwäldern. Der höchste Berg der Insel ist übrigens der 1018 Meter hohe Monte Capanne, der durch eine Seilbahn erschlossen ist. Neben der gut ausgebauten Küstenstrasse rund um die Insel gibt es zahllose Nebenstrassen und Waldwege, teilweise richtige Passstrassen. An mehr als einem Tag war die Insel mit dichten Wolken verhangen und es blies ein kalter Wind. Es hätte uns etwas gefehlt, wenn wir nicht durch die reichlich vorhandenen Pfützen hätten fahren können. Die Wagen wären ja sonst womöglich sauber geblieben!
«Absolumente impossibile» gibt es für uns
nicht! Was machen wir als nächstes?
Wegen der stets grossen Waldbrandgefahr wurden in die Wälder der Insel breite Brandschneisen geschlagen, damit ein anfälliges Feuer im Zaum gehalten werden kann. Dass diese Gefahr real ist, mussten wir selbst feststellen: Im August wurde der im Südwesten gelegene Monte Galamita – ein Naturschutzgebiet – ein Raub der Flammen. Es ist wahrlich ein trauriger Anblick, so weit das Auge reicht, alle Pinien schwarz und verkohlt. Eine einheimische Wirtin sagte uns übrigens, der Brand sei von Leuten absichtlich gelegt worden, die dort kein Naturschutzgebiet wollten. Aber zurück zu den Brandschneisen: Da diese quer über die Berge verlaufen und bewusst von Vegetation frei gehalten werden, sind es ausgezeichnete Geländepisten. Bei Zweiradfahrern – ob mit oder ohne Motor – ist dies schon lange bekannt. Auch unsere Puchs konnten auf diesen Pisten wieder einmal zeigen, was in ihnen steckt. Es fanden sich Stellen, die einer Camel Trophy absolut würdig wären, vor allem weil der Regen breite und tiefen Rinnen ausgewaschen hat. Dank dem Regen mussten wir auch nicht auf veritable Schlammlöcher verzichten, in denen die Mud-Reifen und der Fahrer ihr Können unter Beweis stellen konnten. Die überall präsente Polizei beobachtete unser Treiben mit Interesse. Die Beamten der Forstpolizei, ausgerüstet mit einem Land-Rover, kommentierten unsere Absicht, eine sehr schwierige Passage zu meistern, mit den Worten: «absolumente impossibile!». Sie waren echt erstaunt, als alle Puchs diese Passage ohne weiteres meisterten. Die italienische Polizei hat nichts gegen verantwortungsbewusste Geländefahrer. Nur in einem Punkt versteht sie keinen Spass: offenes Feuer ist aus naheliegenden Gründen strengstens verboten!

Kulinarisch hat die Insel auch einiges zu bieten. Die Abende gehörten nach den täglichen Touren den gemeinsamen Gaumenfreuden. Die Liebhaber von Meeresfrüchten und Fischen kamen voll auf ihre Rechnung. Aber auch die übrige italienische Küche ist nicht zu verachten. Am meisten angetan hatte uns ein kleines Strandrestaurant in einer Baracke nahe unseres Campingplatzes. Dort haben wir mehrmals ausgezeichnet gegessen. Die Zeit verging viel zu schnell und so mussten wir – im Gegensatz zu Napoleon – Elba allzu früh auf Wiedersehen sagen. Dass einmal mehr die Clubreise unfallfrei über die Bühne ging, ist nicht zuletzt der umsichtigen Leitung der Organisatoren zu verdanken.

aus «4x4plus», 2/1999

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