Mit dem Puch G Swiss Club ins Friaul
Die letzte Reise des «Puch G Swiss Club» führte ins italienische Friaul. Dank dem schönen Herbstwetter und der ausgezeichneten Organisation erlebten alle Teilnehmer eine herrliche Woche, in welcher der Puch G wieder einmal zeigen konnte, was in ihm steckt. Lesen Sie das Reisetagebuch eines Teilnehmers, der zum ersten Mal bei einer Clubreise dabei war.
Text: Rolf F. Studer
Bilder: Angèle Köhler
Als der Schreibende an der Mitgliederversammlung im Frühling 97 hörte, die Clubreise würde dieses Jahr ins Friaul gehen, nahm er das mit gemischten Gefühlen auf. Das Friaul ist doch diese Gegend, wo es vor Jahren eine grosse Überschwemmung gab? Und hat dort nicht auch schon die Erde gebebt? Wo liegt dieses Friaul eigentlich genau? Nun, das Friaul liegt im nordöstlichsten Teil Italiens, eingebettet zwischen Südtirol, Adria und den Grenzen zu Österreich und Slowenien. Das wirtschaftliche Zentrum des Friauls ist die Stadt Udine. Das Friaul weist im Süden eine fruchtbare Ebene auf, die ca. 50 km nördlich von Udine unvermittelt von 200 Metern Meereshöhe in Berge von über 1200 Metern Höhe übergeht – der Beginn der julischen und karnischen Alpen. Am Fuss dieser ersten Bergkette liegt der Lago di Cavazzo, das erste Ziel der Clubreise.

1. Tag
Nun geht's los! Um 03.00 Abfahrt zuhause. Die Autobahn ist menschenleer. Es geht zügig voran. Im Gotthardtunnel ist weit und breit kein anderer Wagen zu sehen. Endlich, das erste Etappenziel ist erreicht: Die Autobahnraststätte Bellinzona. Ein Puch G ist schon da, die weiteren kommen auch bald. Nach der Begrüssung wird kräftig gefrühstückt, denn ein weiter Weg liegt noch vor uns: Mehr als 500 Kilometer. Nach 07.00 Uhr fährt der Konvoi mit fünf Puch G ab Richtung Italien. Zoll: Kein Problem – wir werden durchgewinkt. "Stazione ALT» steht über der Autobahn. Aha, jetzt wollen sie Geld von uns: 2800 Lire. Noch einige Male werden wir an diesem Tag auf die gleiche Art kräftig zur Kasse gebeten. Bei dichtem Verkehr kommen wir zügig voran. Mal wird aufgetankt, mal wird Pause gemacht. Nur auf der Umfahrung von Venedig gibt's einen Stau. Um 13.00 Uhr können wir die Autobahn bei Gemona verlassen. Noch 20 km und wir sind am Ziel: Campingplatz oder in unmittelbarer Nähe das Hotel al Lago, am herrlich grün-blauen Lago di Cavazzo. Nach dem Zimmer- und Zeltplatzbezug können es die Unentwegten nicht lassen: Als erstes «Gelände» dient eine Kiesgrube in unmittelbarer Nähe der Unterkunft. Am Abend stossen weitere Teilnehmer zur Gruppe, die einen anderen Weg gefahren sind. Das gemeinsame Nachtessen nehmen wir im Hotel ein. Wir lernen rasch die Vorzüge der Hotelküche schätzen: Vorzügliches Essen und nicht zu kleine Portionen – und dazu einen feinen Merlot.


Hätte der Tagliamento mehr Wasser geführt, wäre hier wohl nur noch ein Amphibienfahrzeug ans Ufer gekommen.
2. Tag
Ein herrlicher Tag kündigt sich an: Schönes Wetter und nicht zu heiss. (Auf das Wetter braucht künftig nicht mehr eingegangen zu werden, jeder Tag war gleich gut!). Endlich kommt die ersehnte erste grosse Fahrt ins Gelände. Auf dem Programm steht eine Fahrt im Flusslauf der Meduna. Flusslauf ist zwar etwas die falsche Bezeichnung. Eine riesige Schotterebene erstreckt sich auf einer Länge von über 30 Kilometern. Von Wasser ist weit und breit nichts zu sehen. Aber wenn es kommt – dann kommt offenbar eine rechte Menge, wie die Landschaft verrät. Die Geländespezialisten unter uns lassen vor dem Einstieg die Luft in den Reifen ab. Eine sehr zu empfehlende Massnahme, wie die erste Erfahrung zeigt. Nun bahnen sich die Puchs ihren Weg durch das Geröll. Mal eine Rinne, mal eine Kuppe gilt es zu überqueren. Herrlich, für einen Puch gibt es (fast) kein Hindernis! Für das Mittagessen wird mit dem im Überfluss vorhandenen Schwemmholz ein Feuer entfacht. Ausgezeichnet schmecken die "Wurstel» vom Grill. Kilometer um Kilometer geht es weiter – über Stock und Stein. Die eine oder andere Schikane fordert den Einsatz von hinterer und vorderer Differentialsperre. Gut, dass man sie beide hat. Auf dem Heimweg wird an einem romantischen grünen Bergseelein Zwischenhalt gemacht. Staubig von Kopf bis Fuss geht die Fahrt zurück ins Hotel.

3. Tag
Heute ist eine Bergtour angesagt. Als erstes Ziel wird Stausee Cà Zul angefahren, in dem der Fluss Meduna, dessen Flusslauf wir gestern befahren haben, gestaut wird. Durch zwei lange, kerzengerade – einspurige – Tunnels fahren wir bis zur Staumauer. Zum Glück gibt's keinen Gegenverkehr. Da es auch keine Parkplätze gibt, muss die Strasse dazu herhalten – nicht gerade zur Begeisterung des einsamen Staumauer-Wärters. Nach einem kurzen Spaziergang fahren wir die abenteuerliche Strecke wieder zurück. Nun steht der nächste Stausee auf dem Programm: Der Lago di Cà Selva. Um ihn herum führt eine Strasse, die mit jedem Meter schlechter wird. Plötzlich muss der Konvoi anhalten, da ein Erdrutsch die Strasse verschüttet hat. Doch auch das ist für unsere Autos kein Problem. In Millimeterarbeit und bedenklicher Schräglage geht's zwischen einer Stützmauer und einem grossen Felsbrocken weiter. Nach einigen hundert Metern ist jedoch endgültig Schluss; ein gewaltiger Haufen von grossen Felsbrocken macht jedes Weiterkommen unmöglich! Aber was soll's? Die Wagen werden auf kleinstem Raum gewendet und parkiert. Ein Feuerchen ist rasch gemacht – solche Abenteuer machen Hunger und Durst.


Mittagessen auf dem Monte Simeone.

4. Tag
Der Tagliamento stellt uns heute sein Flussbett zur Verfügung. Im Gegensatz zur Meduna fliesst hier wirklich noch Wasser. So eine Wasserdurchfahrt macht riesigen Spass. Man könnte fast meinen, der Puch sei ein Amphibienfahrzeug. Unendlich scheint die Fläche mit Schotter und Geröll. Kilometer um Kilometer wird im Geländegang zurückgelegt. Zum Glück ist ein Fahrzeug mit einer Seilwinde ausgerüstet. Ab und zu wird sie gebraucht. Jetzt gerade ist ein Puch an einer schlammigen Stelle abgerutscht und kommt nicht mehr weiter. Dank der Winde ist das aber kein Problem.

5. Tag
Wieder steht ein Berg auf dem Programm. Ziel ist der 1506 Meter hohe Monte San Simeone, sozusagen unser Hausberg. In unzähligen engen Kurven windet sich die Strasse zum Gipfel. Belohnt werden wir mit einer überwältigenden Aussicht auf das Tal des Tagliamento und die herrliche Bergwelt des Friauls. Am Ende der weiten Ebene liegt das Meer. Nach der Rückkehr ins Tal wird von unseren Puchs das Letzte gefordert: Eine Teststrecke der italienischen Armee steht zu unserer Verfügung. Obwohl die Soldaten am Schiessen sind, dürfen wir das Gelände trotzdem benützen. Wäre das wohl bei uns möglich? Hier ist die erste und einzige Panne zu verzeichnen; ein Reifen gibt angesichts eines spitzen Steines die Luft von sich. Der Abend wird mit einem gemeinsamen Pizzaessen abgeschlossen. Interessant sind die Preise der Pizzas: Ab 6000 Lire (Fr. 5.15) ist man dabei!


Überall war der Tagliamento nicht ausgetrocknet, somit erhielten die
Puchs eine Gratis-Unterbodenwäsche.
6. Tag
Nachdem die letzten Teilnehmer eingetroffen sind, erreicht unsere Reisegruppe heute den Höchststand. 10 Fahrzeuge mit 20 begeisterten Damen und Herren (und 5 Hunden). Erneut ist ein Stausee unser Ziel, der Lago di Sáuris. Von dort geht's über ein herrliches Bergsträsschen hoch hinauf bis zu einer Sennhütte. Die beiden Sennen sind höchst erstaunt, als sie plötzlich von einer Invasion von zehn Puchs heimgesucht werden. Freundlich werden wir aufgenommen. Und nach der Degustation des ausgezeichneten Bergkäses wechseln drei Laibe zu ca. 5 Kilo den Besitzer. Am Abend verlassen uns die ersten Teilnehmer, da sie noch andere Reisepläne haben.

7. Tag
Nun ist er also schon gekommen, der letzte Tag. Weil es uns so sehr Spass gemacht hat, geht es wie am 4. Tag noch einmal ins Flussbett des Tagliamento. Leider führt der Fluss so wenig Wasser, dass er bei Udine vollkommen versiegt. Noch einmal geniessen wir die wilde Landschaft des Tagliamento, den die Einheimischen bei Hochwasser so fürchten. Mit Wehmut verabschieden wir uns vom Fluss, der uns in dieser Woche so vertraut geworden ist. Noch einmal gemessen wir die Köstlichkeiten der Hotelküche. Morgen früh fahren wir nach Hause.

Dank
Eine solche Clubreise wäre ohne entsprechende Vorbereitungen nicht möglich. Deshalb gilt der grosse Dank den Familien Köhler und Geser, die im Frühjahr die Reise an Ort und Stelle vorbereitet haben. Die meisten Strecken wurden von ihnen befahren, denn mit zehn Fahrzeugen kann man auf einer engen Strasse nicht einfach wenden, wenn man sich verfahren hat. Unter der fachkundigen Leitung der beiden Familien konnten alle Strecken unfall- und stressfrei zurückgelegt werden. Wir freuen uns schon heute auf die nächste Clubreise, möge sie auch so unvergesslich werden, wie die Reise ins Friaul.


Obligates Gruppenbild (natürlich auch im Flussbett).

aus «4x4plus», 1/1998

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