Reisebericht eines Puch G
Versammlung auf dem «Dach der Weit» (es muss ja nicht immer der Everest sein).
Bilder: Josef Eichholzer
Donnerstag 26.9.1996
Mein Fahrer hatte mich gewaschen und alles kontrolliert. Das muss eine tolle Sache geben in den kommenden Tagen. Beiläufig erfahre ich, dass er für sich die ID und für mich die grüne Karte und für den Treibstoff Lire dabei hat. Es ist etwa acht Uhr morgens, als wir nun zusammen Richtung Welschland fahren, genauer zum Autobahnrestaurant Martigny. Dort angekommen stellt mein Fahrer mich auf den Parkplatz zu anderen, schon anwesenden Puch G's. Er trifft sich bei einem Café mit neu hinzugekommenen Fahrern und Fahrerinnen, die sich hier für die gemeinsame Weiterfahrt verabredet haben, denn sie wollen mit den anderen Puch G und mir auf einen Alpindrive. Nach einer guten halben Stunde wird meine Maschine wieder in Gang gesetzt. Nun darf ich mit den anderen Richtung Grosser St. Bernhard weiterfahren. Die Steigung bis zum Tunnel ist bald geschafft. Nach dem Tunnel geht es flott hinunter nach Aosta, auf die Autobahn, vorbei an Torino mit Ziel Susatal. Meine Fahrt wird eigentlich nur durch die Zahlstellen unterbrochen. Manchmal fahren die Autos mit italienischen Nummernschildern komisch, aber ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen. Im kleinen Städtchen zuhinterst im Tal winde ich mich durch enge Strassen auf den Hof eines Hotels. Hier kann ich nur kurz warten, denn meine Fahrer kommen schon wieder. Die haben aber schnell ihre Zimmer bezogen. Aus den Worten, die ich jetzt höre, ist mir klar warum: Die wollen auf eine aussergewöhnliche Ausfahrt mit mir und meinen vierrädrigen Kollegen. Bei einem Campingplatz treffen wir die anderen G's. Zwei Familien haben vor Ort schon gewisse Strecken abgefahren und erkundet. Sie erzählen von Schnee, der oben liegen soll und seltsamen Begebenheiten... Nun können wir die Fahrt in Angriff nehmen und gelangen bald auf eine Naturstrasse. Steil sind die Strassen hier, schmal und schwierig. Die Kurven eng, ich als langer G schaffe es gerade noch in einem Zug. So gefällt mir eigentlich das Fahren. Für solche Strassen wurde ich schliesslich gebaut. Hoffentlich kommt noch mehr davon, damit ich aufleben kann. Nach einer rund einstündigen Fahrt ist diese «Einfahrrunde» beendet. Die Besatzung beschliesst, zum gemeinsamen Nachtessen zu fahren.

Freitag 27.9.1996
Um neun Uhr treffen sich alle G's mit ihren Besatzungen auf dem Campingplatz. Was ist denn da über Nacht passiert? Es sind noch weitere Markenkollegen hinzugekommen, so dass wir jetzt gesamthaft zwölf G's sind, die losfahren zur ersten, grösseren Tour. Zuerst rollen wir auf der Hauptstrasse bis Finis. Von hier geht es zum Berglauf. Schöne kleine italienische Bergdörfchen säumen die Strecke. Über Naturstrassen geht es bei sonnigem Wetter auf 2162 m.ü.M. zum ersten Fort Prassand. Welch ein herrlicher Ausblick! Wir G's können uns etwas erholen. Bald fahren wir weiter durch den kleinen dunklen Tunnel «Galleria dei Saraceni». Nur das Scheinwerferlicht zeigt den Weg. Weiter auf 2800 m.ü.M. geht es zum Fort Jafferau. Einige G's suchen neben der Strasse einen eigenen Weg. Somit kann unter Beweis gestellt werden, wer sich vorausschauend im Gelände zu bewegen weiss. Weil sich bei einigen Teilnehmern Magenknurren einstellt, «tauchen» wir auf 21 00 m.ü.M. zum Fort Malpensa ab. Hier an der Sonne gibt's Mittagessen. Gut, dass wir einen Gasgrill mitführen, denn Holz ist in dieser Höhe Mangelware. Der anschliessende Weg führt uns ins Tal, wo wir auf der Hauptstrasse nach Bardonecchia fahren. Wir bewegen uns jetzt in nördlicher Richtung. Schon bald bin ich als G wieder in meinem Element. Naturstrassen, steil und viele Kehren. Freies Gelände, wo man erkunden kann, ob ein Durchkommen noch möglich ist. Am Ende dieses Ausfluges kommen G's und Besatzungen wohlbehalten auf dem über 3000 Meter hohen Fourneaux an. Es liegt ziemlich viel Schnee. Gruppenbild fürs Album und anschliessendes Pizzaessen im Tal.

Samstag 28.9.1996
Wieder treffen sich alle G's auf dem Campingplatz. Die Familien Geser und Köhler rekognoszierten für uns an den Vortagen alle Strecken sehr genau. Ihnen gebührt ein besonderer Dank. In Oulx fahren wir den südlichen Hang hoch. In der Hochebene von Roc Nair können sich die G's über eine Stunde lang austoben. Überall wo ich hochfahre, treffe ich auf andere G's, die versuchen, Sumpfstrecken, Schlammwege oder Steilhänge zu bewältigen. Welch ein Hochgenuss! Der Weg führt uns anschliessend auf die Alpin Stockroute, welche auf 2500 - 2700 m.ü.M. liegt. Vorbei geht's an den Bergmassiven Monte Genevris, Testa dell' Assietta zum Fort Gr. Serin, wo wieder gegrillt wird. Bei warmem Sonnenschein geniessen wir die Stille und Ruhe der herbstlichen Alpenlandschaft. Nach dem Mittagshalt fahren wir Richtung Colle delle Finestre über den Piano del Tiracuto nach Susa. Hier kreuzen wir eine andere Gruppe, die mit ihren Geländewagen ebenfalls auf Tour ist. Der nächste Halt erfolgt in Susa. Zum Abschluss lädt der Club alle anwesenden Teilnehmer zum Abendessen ein. Beim Genuss der italienischen Küche wird Rückschau gehalten. Was mich als G besonders froh stimmt ist, dass alle, und es war fast die Hälfte der Teilnehmer – nämlich die Frauen – auch selber gefahren sind. Ihnen deshalb ein spezielles «Bravo!»

Sonntag 29.9.1996
Noch einmal kommen alle G's zum Stelldichein auf den Campingplatz. Einige Clubmitglieder verabschieden sich hier, denn sie fahren über Frankreich zurück. Andere wählen die Anfahrtsroute. Dann gibt's noch welche, denen es so gut gefallen hat, dass sie noch einen Tag bleiben wollen. Mich beeindruckten die ausgeglichenen Teilnehmer mit viel Witz und Humor. Übrigens wurde kein Fahrzeug beschädigt, trotz den zahlreichen Naturstrassen und Ausritten ins Gelände. Ich freue mich schon jetzt, wenn es im nächsten Jahr wieder heisst: «Auf zum Geländeweekend nach Frankreich!»


Gruppenbild auf dem geografischen «Höhepunkt» (3100 m.ü M.), dem C.a.d. Fourneaux.

aus «4x4plus», 5/1996

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